82
— O mein Kind! Der Glaube heißt herzlich glauben. St. Gabriel brachte
St. Adam die Vernunft, das Schamgefühl und den Glauben mit und sagte: (O
Adam! ALLAH, der Erhabene grüßt Dich und sendet Dir drei Geschenke, von
denen Du eines auswählen sollst). St. Adam nahm die Vernuft. Als St.
Gabriel sagte, dass das Schamgefühl und der Glaube gehen sollten,
antwortete der Glaube ihm: “ALLAH, der Erhabene hat mir geboten: Wo die
Vernunft ist, sollst Du auch dabeisein!” Und das Schamgefühl antwortete
gleichfalls. So blieben beide mit der Vernunft bei St. Adam, Friede sei
mit ihm.
Wem ALLAH, der Erhabene, Vernunft gibt,
bei dem sind Schamgefühl und Glaube demgemäß dabei. Wer keine Vernunft
hat, der besitzt weder Schamgefühl noch Glauben.
Es wurde überliefert, dass eines Tages
eine Frau zum St. Hasseni Basrî gekommen war und ihn gefragt hat: “O
Führer der Gläubigen! Was ist die Reinheit, die Grundlage und der Schatz
der Religion?” Als Antwort darauf sagte St. Hasseni Basrî: “Sagen Sie
es selbst und lass uns zuhören.” Die Frau setzte fort: “Die Reinheit der
Religion ist rituelle Waschung vorzunehmen. Die Grundlage der Religion
ist, sich vor ALLAH, dem Erhaben zu fürchten und sich zu schämen. Die
Stärke der Religion ist Gebetsverrichten. Denn ALLAH, der Erhabene hat
SEINEN Diener gelobt, der Schamgefühl besitzt. Der Schatz der Religion
ist das Wissen. Wer die rituelle Waschung nicht vornimmt, dessen
Religion wird nicht rein. Wer kein Schamgefühl hat, dessen Religion hat
keine Grundlage. Wer sich nicht vor ALLAH, dem Erhabenen, fürchtet,
dessen Religion hat keine Grundlage. Wer keine religiöse Kenntnisse
besitzt, dessen Religion hat keinen Schatz.
St. Hasseni Basrî war verwundert über die Worte dieser Frau und bestätigte ihre Wahrheit.
Der Glaube wird auf vier Arten
vertreten: Der Glaube gleicht einer Festung, die fünf Stockwerke
besitzt. Das erste Stockwerk ist aus Gold, das zweite aus Silber, das
dritte aus Eisen, vierte aus Bronze und das fünfte aus Kupfer. Das
kupferne Stockwerk vertritt die Sittsamkeit. Wenn man kein Schamgefühl
hat, kann der Satan auf jeden Fall durch das erste Stockwerk
hindurchgehen. Wenn man das Schamgefühl hat, kann der Teufel nicht
hindurchgehen und so wird sein Glaube gerettet. Das eiserne Stockwerk
vertritt die erforderlichen Vorschriften, das bronzene die
unentbehrlichen Vorschriften, das silberne die Aufrichtigkeit und das
goldene die Annäherung ALLAH, dem Erhabenen. Wenn man das Schamgefühl
hat, darf man den Weg der erforderlichen Vorschriften finden. Und wenn
man die Aufrichtigkeit hat, darf man sich ALLAH, dem Erhabenen nähern.
Wenn man kein Schamgefühl hat, darf man den Weg der erforderlichen
Vorschriften, den Weg der Sunna, nicht finden. Wenn man die
erforderlichen Verpflichtungen nicht erfüllt, darf man den Weg der
unentbehrlichen Verpflichtungen nicht finden. Wenn man die
unentbehrlichen Verpflichtungen nicht erfüllt, darf man den Weg zur
Rechtschaffenheit nicht finden. Wer einem etwas für das Wohlgefallen
ALLAH’s, des Erhaben, gibt, wer einen für SEIN Wohlgefallen liebt, und
wer für SEIN Wohlgefallen gegen einen feindlich ist, dessen Glaube wird
vervollständigt. Wer sittsam und bescheiden ist, dessen Glaube ist auch
vervollständigt. Das Zeichen des Glauben ist, dass man Ungläubige, nicht
liebt weil sie ungläubig sind. Wer gläubig ist, kann die
Glaubensfeinde, Freimaurer und Komunisten nicht lieben.
Der heilige Prophet, Friede sei mit ihm,
gab zur Kenntnis: (Wer von euch im Glauben vorzüglich ist, ist von
gutem Charakter und tut den Menschen Gutes). Denn ALLAH, der
Allmächtige, gebietet im heiligen Koran sinngemäß: (Du bist gewiss mit
bestem Charakter). Das heißt, ALLAH, der Erhabene, hat den Charakter
SEINES geliebten Propheten gelobt. Wer von gutem Charakter ist, der ist
von dem Charakter des heiligen Propheten. Er ist auf dem Weg, auf dem
der heilige Prophet gewesen ist. Er befreit sich davor, wovor er sich
fürchtet und erreicht das, was er wünscht. Und man wird recht gläubig.
Wenn einem etwas einfällt, was verboten ist, kann man bemerken, dass es
verbotenen ist, wenn man einen festen Glauben hat. Die Gefährten des
heiligen Propheten fragten ihn: “O Prophet ALLAH’s, des Erhabenen! Uns
fallen böse Dinge ein. Was sollen wir machen? Der heilige Prophet
antwortete: (Sowohl gute als auch böse Dinge fallen einem ein. Es ist
vom Glauben abhängig, böse Dinge zu unterscheiden, die einem einfallen).
83 — Wenn du willst, dass dein Glaube
vervollständigt sein soll, halte dich den Gläubigen nicht für überlegen.
Der heilige Prophet hat gemeldet: (Wer die Vollkommenheit seines
Glauben haben will, soll ein Einsehen haben; d.h. der soll bescheiden
sein und Almosen geben, selbst wenn er arm ist. Diese zwei Eigenschaften
erhöhen den Glauben bis zum Grad der Vollkommenheit).
84 — Alkoholische Getränke sind
verboten. Der Glaube kann nicht mit alkoholischem Getränk beisammensein.
Wenn man alkoholisches Getränk trinkt, tritt der Glaube aus seinem
Herzen heraus. Darüber erklärte St. Omar: (Ich schwöre bei ALLAH dem
Erhabenen, dass während man alkoholisches Getränk trinkt, der Glaube
sagt: “Halt! Du Verfluchtes! Zuerst muss ich austreten, dann kannst Du
eintreten). Solange der Glaube einen nicht verlässt, kommt das Getränk
nicht ein. Wenn man recht gemäss dafür büßt, kehrt der Glaube zurück.
85 — Die Gelehrten der Sunna, Friede sei
mit ihnen allen, teilen mit: Eine schwere Sünde begehen heißt kein
Unglauben. Eine schwere Sünde verdirbt den Glauben nicht. Die heiligen
Hadithe erklären, dass man ungläubig wird, wenn man eine Sünde nicht als
Sünde anerkennt. Es verursacht, dass man als ungläubig stirbt, wenn man
pflegt, schwere Sünde zu begehen.
86 — Wenn du willst, dass dein Glaube
nicht schwach sein soll; d.h. wenn du willst, nicht ohne Glauben vor den
Erhabenen geführt zu werden, sprich dieses Gebet vierzigmal täglich
aus: (Jâ hajjü, jâ kajjum, jâ seldschelâli well ikrâm, jâ lâ ilâche illâ
ente).
Das Verlieren des Glaubens erklärte der
heilige Prophet wie folgt: (Vier Sachen veranlassen, den Glauben zu
verlieren: Die erste ist, sich nicht nach erworbenen Kenntnissen zu
verhalten. Die zweite ist, sich unwissend zu verhalten. Die dritte ist,
sich davor zu schämen, erforderliche Kenntnisse zu lernen. Die vierte
ist, die Menschen daran zu hindern, dass sie lernen).
[Wer seine Religion und deren Kenntnisse
nicht lernt, dessen Glaube bleibt nicht fest. Wenn man darüber
unwissend bleibt, täuscht man sich über Lügen der Freimaurer und
Kommunisten und verliert seinen Glauben.]
DAS EINHEITSBEKENNTNIS
[Kadi-sâde Ahmed bin Muhammed Emîn
Effendi, Friede sei mit ihm, einer der Gelehrten des omanischen Reiches,
verfasste ein Buch von zweihundertfünfzig Seiten, indem er das
Glaubensgebet im türkischen erläuterte. Er nannte dieses Buch
Ferâid-ül-fewaid (Nützliche Perle). Sejjid Abdülhakîm Effendi, Friede
sei mit ihm, einer der großen Religionsgelehrten, sagte oft, dass dieses
Buch und das Buch Birgiwî Wassijjetnamesi Scherhi (Erläuterung des
Buches “Testament von Birgiwî”) des gleichen Gelehrten sehr wertvoll
sind, und pflegte es den Jugendlichen zu empfehlen. Kadi-sâde Ahmed
Effendi ist 1197 (1783 n.Chr.) in İstanbul gestorben. In diesem Buch hat
er folgendes geäußert: Es gibt sechs persönliche Eigenschaften ALLAHs,
des Erhabenen: Das sind: Unendlichkeit, Existenz, ohne Anfang, Existens
ohne Ende, Einigkeit, Unähnlichkeit, Selbstständigkeit. Die acht
ständigen Eigenschaften Allahs, des Erhabenen, sind: Unsterblichkeit,
Allmacht, Allwissenheit, Sehen, Hören, Sprechen, Erschaffen, Wille.
SEINE Gewohnheit ist es, alles begründet zu erschaffen. Aber die Gründe
haben keine Wirkung bei SEINER Schöpfung. ER ist Allerschaffer und
Allmächtiger. Es gibt keinen Schöpfer außer IHM. ER erschuf und
erschafft alle Wesen aus dem Nichts. ER ist es allein, der die
Eigenschaften, Bewegungen, guten und bösen Taten der Menschen bzw. der
Tiere erschaffen hat. Der Mensch kann nichts erschaffen. Allah, der
Erhabene ist allein, der die Gedanken, Taten und Erfindungen der
Menschen erschuf und erschafft. Jemanden außer IHM, Erschaffer zu
nennen, heißt eine große Dummheit begehen. Die ständigen bzw.
persönlichen Eigenschaften Allahs, des Erhabenen, sind ewig wie ER
selbst. SEINE Eigenschaften trennen sich nicht von IHM selbst.]
Das Einheitsbekenntnis ist: Lâ ilâche
illallach Muhammedün resûlullach. Das bedeutet: Es gibt keinen Gott
außer Allah, dem Erhabenen und Muhammed, Friede sei mit ihm, ist SEIN
Diener und Gesandter. Der heilige Prophet berichtete: Wenn ein Diener
diesen Glaubensatz rezitiert, werden alle Scheidewände zwischen Allah,
dem Erhabenen und diesem Wort aufgehoben. Und so kommt es direkt zu
Allah, dem Erhabenen. Allah, der Erhabene sagt: “O das Wort, halte ein!”
Das Glaubensatz erwidert: “Das darf ich nicht, bevor DU diesem Diener
vergibst!” Dann antwortet Allah, der Allmächtige: “Um MEINER Ehre,
Allgewalt, Allmacht und Vollkommenheit willen vergebe ich MEINEM Diener,
der MEINEN Namen rezitiert.
87 — Den Diener, der das
Einheitsbekenntnis ausspricht, werden am Tage der Auferstehung die Engel
besuchen. ALLAH, der Erhabene, hat St. Moses geboten: (O Moses! Sprich
vielmals das Einheitsbekenntnis aus, wenn du willst, daß die Engel Dich
an dem Auferstehungstag besuchen sollen). Sprich diesen Glaubensatz aus!
Zweifle daran nicht! Sonst bleibst du in der Hölle ewig!
St. Moses fragte: “O mein Schöpfer! Was
für eine Strafe gibst DU, wenn ein Diener das Einheitsbekenntnis
ausspricht aber daran innerlich zweifelt?” ALLAH, der Erhabene,
erwiederte: (O Moses! Ihn lasse ICH für immer in die Hölle werfen. Weder
Propheten, noch Heilige, nach Märtyrer und noch Engel dürfen um seine
Vergebung bitten).
88 — Sprich vielmals den Glaubensatz
aus! St. Moses fragte ALLAH, den Erhabenen: “O mein Schöpfer! Wie
belohnst DU einen Diener, wenn er das Einheitsbekenntnis ausspricht?”
ALLAH, der Erhabene erwiederte: (Mit ihm bin ICH zufrieden und ICH mache
ihn mit MEINEM Paradies und MEINEN Schönheiten glücklich).
Niemand weiß, wieviel Gnade ALLAH, der
Erhabene, einem schenkt, wenn man das Einheitsbekenntnis ausspricht.
Wenn man das Einheitsbekenntnis ausspricht, schwingt der Thron des
Erhabenen, der heilige Raum außerhalb den Himmeln. Der heilige Prophet
hat mitgeteilt: (ALLAH, der Erhabene, erschuf eine Säule. Durch das
Einheitsbekenntnis schwingt diese Säule und bringt den den Thron des
Erhabenen zum Schwingen. Wenn der den Thron des Erhabenen schwingt,
gebietet ALLAH, der Allmächtige, dass er ruhig sein soll. Der Thron des
Erhabenen bittet um Vergebung des Dieners, der das Einheitsbekenntnis
ausgesprochen hat. Und der wird vergeben).
Der heilige Prophet hat berichtet: (Wer
aufrichtig und herzlich einmal das Einheitsbekenntnis ausspricht, dem
bereitet ALLAH, der Erhabene, viertausend Ehrenstellen im Paradies und
vergibt ihm viertausend Sünden). Die Gefährten des heiligen Propheten
haben ihm gefragt: “O Prophet ALLAH’s, des Erhabenen! Wenn man nicht
viertausend Sünden hätte? Daraufhin erwiederte der Heilige Prophet: (Es
werden die Sünden seiner Frau, seinen Kindern und Verwandten vergeben).
89 — Sprich das Einheitsbekenntnis
vielmals aus! Er ist größer als alle Sünden. Der heilige Prophet hat
gemeldet: (An dem Tage der Auferstehung wird ein Mensch herkommen. Er
wird neunundneunzig Handlungsbücher haben, in dessen allen Seiten nur
Sünden eingeschrieben worden sind. Nur in einer Seite steht das
Einheitsbekenntnis, den er im Diesseits ausgesprochen hat.
Neunundneunzig Handlungsbücher werden in eine Waagschale und das
Einheitsbekenntnis wird in eine andere gelegt. Das Glaubensbekenntnis
wiegt schwerer).
90 — Das Glaubensbekenntnis lässt viel Verdienst erwerben.
Bemerkung: St. Imam-ı Rabbani Ahmed Farukî Serhendi, der größte Gelehrte des zweiten Jahrtausends [geb. 971 gest.
Indien] erklärt im siebenunddreißigsten Brief im zweiten Band seines
Buches Mektubat (Briefe) die Vorzüge des Einheitsbekenntnisses
ausführlich. Die Übersetzung dieses Briefes steht in dem Buch Se’âdet-i
Ebedijje.
DAS WOHLGEFALLEN ALLAH’s, DES ERHABENEN
91 — O mein Kind! Erfülle dieses, wenn
du das Wohlgefallen des Erhabenen erlangen willst. ALLAH, der Erhabene
fragte St. Moses: (O Moses! Was hast Du für MICH getan?) St. Moses
erwiderte: (O mein Schöpfer! Ich habe für DICH Gebete verrichtet,
gefastet, Lobgebet ausgesprochen und den Armen Almosen gegeben). ALLAH,
der Erhabene erwiderte: (Alle diese sind für Dich! Wenn Du Gebet
verrichtest, so gebe ICH Dir das Paradies. Wenn du fastest, wird es Dir
Licht auf der Sırat (die Brücke über der Hölle) sein Wenn du Lobgebet
aussprichst, pflanzt man Bäume im Paradies für Dich. Wenn du den Armen
Almosen gibst, wird das auf dich kommende Unglück beseitigt. O Moses!
Was hast du für MICH getan? St. Moses fragte: “O mein Schöpfer! Was soll
man für DICH tun?” ALLAH, der Erhabene, erwiderte: (Das Tun für MICH
ist, MEINE Freunde als Freunde und MEINE Feinde als Feinde
anzuerkennen). Die Anbetung, die ALLAH, dem Erhabenen, am meisten
gefällt, ist es, Gläubige zu lieben und gegen Ungläubige feindlich zu
sein. Das nennt man Hub-bi fillach und Bughd-ı fillach.
92 — Der heilige Prophet, Friede sei mit
Ihm, verkündete: (Wer eine Sünde begehen will, sich aber vor ALLAH, den
Erhabenen, fürchtet und darauf verzichtet, dem schenkt ALLAH, der
Allbarmherzigen, zwei Paradiesse). Die schweren Sünden sind: unehrlich
Erworbenes zu essen, Zinsen zu bekommen, Hurerei und Päderastie zu
begehen, Alkohol zu trinken, zu ermorden, ALLAH, dem Erhabenen, sich
oder ein anderes Wesen zu zugesellen, den Islam verachtende, Moral
verderbende Filme anzusehen, Menschen mit Wollust zu betrachten, Frauen
und Mädchen in ausgeschnittenem Kleide ausgehen zu lassen, usw.
93 — Das Zeichen für die Frommheit ist,
dass man mit der Vorherbestimmung und dem Schicksal ALLAH’s, des
Erhabenen zufrieden ist. Das Zeichen für die Bosheit ist, dass man mit
der Vorherbestimmung und dem Schicksal nicht zufrieden ist und dass man
bei einem Unglück viel zu viel weint, schreit und jammert.
94 — Wenn du vor ALLAH, dem Erhabenen,
gehorsam sein willst, sprich bei allen deinen Handlungen “inschaallach”
(so ALLAH will). Der heilige Prophet teilte darüber mit: (Es gibt keine
vorzüglichere Gefügigkeit als diese).
Während du jemandem etwas versprichst,
sprich zuerst “inschaallach” aus. Wenn du es nicht erfüllen kannst, so
wirst du kein Lügner.
95 — Bereite dein Herz für drei Umständen so vor, daß das Tor der Gnade dir aufgemacht werden darf:
1) Beim Koranrezitieren.
2) Beim Erwähnen der heiligen Namen ALLAH’s, des Erhabenen.
3) Beim Gebetsverrichten.
Das Zeichen des Weisen ist, daß sein
Schweigen eine Bedeutung hat, daß sein Betrachten einem ein warnendes
Beispiel und dass sein Wunsch der Gehorsam ist.
96 — O mein Kind! St. Sinnûn-i Mısrî, (gest.
Ägypten) sagt: “Wer sich übersatt isst, in dessen Herz kann keine
Weisheit sein. Wie glücklich, wer keine Sünde begeht. Das ist dadurch
möglich, dass man nicht viel isst. Indem der Mensch seine Andacht hält,
nähert er sich ALLAH, dem Erhabenen.
Die Zeichen, dass man sich nicht vor ALLAH, dem Erhabenen, fürchtet, sind:
1) eine schwache Absicht zu haben,
2) hochmütig zu sein,
3) nicht an den Tod zu denken und sondern nach den Begierden zu folgen,
4) das Wohlgefallen ALLAH’s, des Erhabenen, zu verlassen und den Wunsch der Geschöpfe zu erfüllen,
5) die erforderlichen Vorschriften zu verlassen und, religiöse Abweichung durchzuführen,
6) seine Sünden als wenig zu betrachten.
Wie glücklich, wer frei von diesen sechs Dingen ist!
Sowohl aus Freuden als auch aus Leiden
besteht das Menschenleben.
Begabt muss man sein,
um Kummer in Genuss zu verwandeln.
DIE VORZÜGE DES DANKGEBETES
97 — Eines Tages sagte der heilige
Prophet Abraham, Friede sei mit ihm: (Elhamdü lillâchi kable külli echad
welhamdü lillâchi ba’de külli echad el hamdü lillachi alâ külli hâl).
ALLAH, der Erhabene hat gebietet: (O Gabriel! Grüße meinen Freund von
MIR! Er hat drei Worte dreimal ausgesprochen. ICH habe dagegen ihn so
viel Verdienst erwerben lassen, wie wenn er vierzigmal die freiwillige
Wallfahrt unternommen hätte. Wer dieses Gebet ausspricht, dem schenke
ICH das gleiche).
St. Enes pflegte dieses Gebet auszusprechen:
(Bismillachillesi lâ ja durru maasmichî
schejün fil erdı welâ fissemâ-i we hüwessemî’ul alîm). Dieses Gebet
spricht man morgens und abends mit der Einleitungsformel
“Bismillachirrachmanirrachim” dreimal aus. Damit schützt man sich vor
vielen Unglücksfällen.
98 — Wenn du niest, sprich aus: (El
hamdü lillach). Dazu teilte der heilige Prophet mit: (Wenn man niest und
“El hamdü lillach” ausspricht, schützt einen ALLAH, der Erhabene vor
siebzig Arten der Unglücksfällen. Niemand kann vorzüglicher vor ALLAH,
dem Erhabenen, sein als der, der die vier Worte morgens und abends
hundertmal ausspricht. Diese vier Worte sind: Sübhânallachi welhamdü
lillâchi we lâ ilâche illallâchu wallâchu ekber).
Dies ist auch ein Lobgebet, das sehr
wertvoll für ALLAH, den Erhabenen, ist: Sübhanellachî we bi hamdichi
sübhânellachil asîm. Man sollte es täglich hundertmal aussprechen.
DAS GEBET DES GLAUBENS
St. Muhammed Tırmısî (209-279)
überliefert: Wer zwischen den ersten und zweiten Teilen des Morgengebets
dieses Gebet innerlich ausspricht, übergibt seine Seele am Ende seines
Lebens als gläubig: (Ja hajjü ja kajjum ja seldschelâli wel ikrâm.
Allachümme innî es’elüke en tüchjije kalbî bi nûri ma’rifetike ebeden ja
Allach, ja Allach, ja Allach dschelle dschelalüch).
99 — Der heilige Prophet teilte mit: (O
Gläubige meiner Gemeinschaft! Sprecht morgens beim Aufstehen dieses
Gebet aus: Sübhanellachi we bî hamdichi sübhânellachil asîm). Es
verursacht die Vergebung seiner Sünden an jenem Tag, wenn man dieses
Gebet ausgesprochen hat.
Mit der heiligen Hadith wurde gemeldet:
(Wer dieses Gebet täglich zehnmal ausspricht, dem gewährt ALLAH, der
Erhabene, vierzigtausend Löhne: Eschhedü en lâ ilache illachü wachdechû
lâ scherikelechû ilâchen wâchiden. Sameden lem jettechis sâchibeten welâ
weleden welem jekün lechû küfüwen echad).
100 — Der heilige Prophet hat verkündet:
(Wenn ihr aus einer Versammlung kommt, sprecht dieses Gebet aus! So
werden euch die Sünden in jener Versammlung vergeben: Sübhanek
allachümme we bi hamdike, eschhedü en lâ ilâche illâ ente wachdeke lâ
scherike leke we estaghfirüke we etûbü ilejke).
Sprich vielmals dieses Gebet aus, damit
dein Herz nicht verdirbt! Denn dieses Gebet ist es, was der heilige
Prophet dafür empfahl: (Jâ hajjü jâ kajjûm jâ bedî-assemâwâti wel ardı,
ja sel dschelâli wel ikrâm, jâ lâ ilâche illâ ente es’elüke en tüchjije
kalbî bi nûri ma’rifetike, jâ Allachü, jâ Allachü, jâ Allach dschelle
dschelâlüch).
Auch beim Sterben sprach der heilige
Prophet, Friede sei mit Ihm, dieses Gebet aus: (Sübhânellachi we bi
hamdichi esta firullache we etübi ilejch).
Sprich beim Hinausgehen und beim
Einkaufen: (Lâ ilâche illallachü wachdechû lâ scherike lech lechülmülkü
we lechülhamdü jüchjî we jümîtü we hüwe hajjün lâ jemûtü bijedichil hajr
we hüwe alâ külli schej’in kadir) aus.
101 — Gute Sitten beim Essen:
Im fünften Band des Buches Fetâwâji
Hindijje (Rechtsgutachten in Indien) steht folgendermaßen: Es ist eine
erforderliche Verpflichtung, vor und nach dem Essen die Hände zu
waschen, zu Beginn Bismillachirrachmanirrachim und wenn das Essen zu
Ende ist, Elhamdülillach auszusprechen. Es ist ebenso erforderlich, mit
der rechten Hand zu essen und zu trinken. Wenn man rituell unrein ist,
ist es eine unerwünschte Handlung, zu essen, ohne seine Hände zu waschen
und ohne seinen Mund zu spülen. Eine menstruierende Frau darf essen,
ohne ihren Mund zu spülen. Für sie ist es nicht unerwünscht. Man darf
keine heiße Speise essen, keine Speise beim Essen riechen und in keine
Speise pusten. Es ist eine unerwünschte Handlung, beim Gehen zu essen
bzw. zu trinken. Man darf mit bloßem Kopf essen. Es ist zulässig, Aas zu
essen, um nicht des Hungers zu sterben; aber es ist nicht erlaubt,
Menschenfleisch zu essen. Man darf statt des Preisses eines gekauften
Gegenstand einen billigeren Preis angeben. Beispielsweise darf man als
Preis dessen, was man für zehn Pfund gekauft hat, als fünf Pfund äußern.
Es ist verboten, verdorbenes Fleisch zu essen, d.h. es gilt als unrein.
Verdorbenes Öl bzw. Fett und verdorbene Milch gelten als rein; man darf
diese essen. Obwohl verdorbene Speisen als rein gelten, ist es
verboten, sie zu essen. Die vom Baum herabgefallenen Früchte zu essen,
ist erlaubt, vorausgesetzt dass der Besitzer es zustimmt. Es ist
erlaubt, die vom Fluß abgetriebenen Früchte zu essen. Ein Armer darf von
seinem Almosen einem Reichen schenken, der ihm dieses Almosen gegeben
hat; und der Reiche darf es annehmen.
Eine heilige Hadith lautet: Wer nach dem
Essen dieses Gebet ausspricht, dem werden die Sünden vergeben:
“Elhamdülillâchillesî et’amenâ hâsetta’âme we resekanâ min gajr-i hawlin
we lâ kuwwete.”
Das größte Bittgebet zur Vergebung:
Der heilige Prophet, Geliebter ALLAH’s,
des Erhabenen, verkündigte: (Wer dieses Gebet am Morgen ausspricht und
vor dem Abend stirbt, der besitzt die Ehrenstelle eines Märtyrers. Wenn
man es am Abend ausspricht und vor dem Morgen stirbt, besitzt man die
gleiche Ehrenstelle: Allachümme ente rabbî lâ ilâche illâ ente halaktenî
we ene abdüke we ene alâ achdike we wa’dike mesteta’tü e-ûsü bike min
scherri mâ san’atü ebûü leke bi ni’metike alejje we ebûü bin senbî
faghfirli sünûbi feinnehû lâ jafirüs-sünûbe illâ ente. Lâ ilâche illâ
ente sübhâneke innî küntü mines-sâlimin).
Der heilige Prophet teilte mit: (O Ebâ
Hürejre! Wer dieses Gebet täglich fünfunzwanzigmal ausspricht, den
schreibt ALLAH, der Allmächtige, als einen der Anbeter ein:
“Allachümmagfir li, weliwalidejje we li-üstâsijje welil mü’minûne wel
mü’minâti wel müslimîne wel müslimâti elachjâ-ü minhüm wel emwât
birrachmetike ja erhamerrâchimin).
DAS GEBET ZUR ERNEUERUNG DES GLAUBENS
O mein Schöpfer! Von meinem
heiratsfähigen Alter bis zu diesem Augenblick habe ich alles bereut, was
ich als verrirtes Glauben gehabt, als Sünden gesehen, zugehört,
ausgesprochen und begangen habe, indem ich von Feinden des Islam und
Irrgläubigen betrogen bzw. irregeführt wurde. Ich bin fest entschlossen,
all diese nicht zu wiederholen. Ich bezeuge, dass der erste Prophet
Adam und der letzte Prophet Muhammed ist, Friede sei mit ihnen. Ich
glaube an alle Propheten zwischen ihnen. Alle sind recht und treu. Alles
was sie mitgeteilt haben, ist wahr. Âmentü billach ve bi-mâ dschâ-e min
indillach, alâ muradillach, ve âmentü bi-Ressûlillach ve bi-mâ dschâ-e
min indi Ressûlillach alâ murâd-i Ressûlillach, âmentü billachî ve
Melâiketichi ve Kütübîchi ve Ressulichî weljewmil-âchiri ve bilkaderi
hajrichi ve scherrichi minallachi teâlâ wel-ba’sü ba’delmewti hakkun
eschedü en lâ ilâche illallach ve eschhedü enne Muhammeden abduchu ve
ressûlüch.
102 — Der heilige Prophet pflegte dieses
Gebet jedesmal zu rezitieren, wenn er ein neues Kleid anhatte: “Elhamdü
lillâchillesî kesânî mâ ûrije bichi awretî.”
[Sejjid Abdülhakîm Effendi, Friede sei
mit ihm, großer islamischer Gelehrter, Erneuerer des 14. Jahrhunderds
nach Hedschra, pflegte in seinen Predigten und Unterrichten in
verschiedenen Moscheen, in der islamischen Hochschule bzw. höheren
Schule Vefa und in seinen privaten Unterhaltungen wie folgt zu
empfehlen: “Tragen Sie saubere und neue Kleider wie die Ehrwürdigen und
Hochgestellten! Benutzen Sie erlaubte Kleidung und Nahrung bzw. Getränke
soviel, wie Sie benötigen! Verhalten Sie sich überall so, dass Sie
durch Ihre Worte, Sittlichkeit und islamische Würde geachtet werden!
Halten Sie Ihren Körper angenehm, indem Sie verschiedene schmackhafte
Speissen bzw. süße kalte Getränke kosten!” Diese Empfehlungen von Sejjid
Abdülhakîm Effendi sind in dem Buch Hadîkat-ün nedijje (Nützlicher
Garten) von Muhammed bin Süleymân-ı Bagdadî ausführlich erwähnt. Dieses
Buch ist arabisch und 1397 (1977 n.Chr.) in İstanbul gedruckt.
DIE VORZÜGE DES REZITIERENS DER SURE ICHLÂS
103 — O mein Kind! Rezitiere vielmals
die Sure lchlas. Der heilige Prophet, unser Herr, hat verkündet: (An dem
Tage der Auferstehung wird ein Ausrufer ausrufen: “Die Gläubigen, die
an ALLAH, den Erhabenen gedacht und IHN erwähnt und die Sure Ichlâs
vielmals ausgesprochen haben, sollen kommen und ihre Ehrenstellen im
Paradies besitzen).
Wer tausendmal diese heilige Sure rezitiert, leidet nicht an Zahnschmerzen.
Bemerkung: St. Ali hat überliefert: (Der
heilige Prophet hat verkündet: “Nach einer Versammlung, einem
Unterricht, nach einem Rezitieren des heiligen Korans diesen heiligen
Vers: “Subhâne Rab-bike Rab-bil is-seti am-ma jesîfûn we selâmün alel
mürselîn wel hamdülillachi Rab-bil alemîn” auszusprechen, verursacht, an
dem Tage der Auferstehung viel Verdienst zu erwerben). Man sieht, dass
einige Personen, die nicht in allen Kenntnissen der Religion bewandert
sind, Gläubige täuschen und dass sie auf diese Weise viele Sünden
begangen haben, indem sie manche Bücher ins türkische übersetzen und
dabei ihre eigene Gedanken hinzufügen. Beispielsweise behaupten sie,
dass es besser sei, statt “Sübhâne Rabbike”, “Sübhâne Rabbina” zu sagen.
Sie behaupten, dass man beim Gebetsprechen Gemeinschaft erwähnen, indem
man “unser Schöpfer” sagen solle. Diese täuschen sich sehr darüber.
Denn der heilige Vers “Subhane Rabbike” ist nicht Gebet- sondern
Lobgebetsprechen. Der heilige Prophet fordert, dass wir diesen heiligen
Vers aussprechen, aber ihn nicht ändern sollen. St. Ebu Bekr sagte: “Ich
tausche gerne mit dem heiligen Propheten, alle meine Anbetungen, gegen
seinen einzigen Fehler.” Die Fehler der Propheten, die ALLAH, der
Erhabene, liebt, sind wertvoller als die Wohltaten der guten Menschen.
Wollen diese den heiligen Vers verbessern? Ein einziger Buchstabe des
heiligen Korans ist vorzüglicher als alle Anbetungen. Das Ändern des
heiligen Wortes verursacht auch den Unglauben.
Die Antworte, die die Gelehrten denen geben, sind ins Buch Seadet-i Ebedijje (Weg zum ewigen Glück) eingeschrieben worden.
104 — Jeden Morgen die letzten drei
heiligen Verse der Sure Haschr (Die Auswanderung) von dem Wort
“Hüwellâchüllesi” an zu lesen oder auszusprechen verursacht, falls man
bis zum Abend stirbt, als Märtyrer zu sterben.
105 — Wer beim Sonnenaufgang die Sure Amme (Die Kunde) rezitiert, wird vor allen Unglücksfällen geschützt.
[St. Abdullah-i Dechlewî, ein absoluter
Religionsgelehrter, ein großer heiliger, Friede sei mit ihm, schreibt in
seinem neunzigsten Brief wie folgt: (Die heiligen Verse und Bittgebete,
die der heilige Prophet berichtete, muß man in bestimmten Zeiten
rezitieren. Diese und die freiwilligen Gebete muß man aufrichtig und mit
ruhigem Herz rezitieren bzw. verrichten; andernfalls gelten sie nicht.
Aus diesem Grund müssen wir versuchen, anstatt freiwillige Gebete
unentbehrliche und stark erforderliche Gebete zu verrichten und ALLAH,
den Erhabenen lobzupreisen und sich vor Verbotenen zu hüten, um unsere
Seele zu reinigen und unsere Sittsamkeit zu verbessern!) Im
einundsiebzigsten Brief erläutert er: (In unserer Zeit herrschen
Unglauben, Sünden und religiöse Abweichungen überall. Heutzutage ist es
schwierig geworden, zu erfassen, dass Allah, der Erhabene,
allgegenwärtig ist. Aber trotzdem muss man versuchen, sich von
seelischer Krankheit zu retten. Fliegt ein Vogel auf, so rettet er sich,
von Katzen gefressen zu werden, selbst wenn er sein Ziel nicht
erreichen kann.) St. Abdullah-i Dechlewî ist Lehrer von St. Halid-i
Bagdadî; gestorben 1240 (1824 n.Chr.) in Delhi.]